Kategorie-Archiv: Allgemein

Juristische Blogs dienen vielleicht der anwaltlichen Selbstbefriedigung, aber jedenfalls nicht der Wissenschaft

So ungefähr könnte man den Leitsatz einer BGH-Entscheidung vom 20.06.2016 AnwZ (Brfg) 10/15 zusammenfassen.

Um was ging es? Wir Fachanwälte haben eine jährliche Fortbildungspflicht. Sie lag früher bei 10 Stunden pro Jahr und Fachgebiet, heute bei 15 Stunden. Nach der bis zum Jahr 2015 bestehenden Regelung der Fachanwaltsordnung (FAO) konnte diese Pflicht im Normalfall durch einen sogenannten Sitzschein, also als Zuhörer bei einem Seminar, nachgewiesen werden. Möglich war der Nachweis auch als Dozent für ein solches Fachseminar und daneben auch durch wissenschaftliche Publikation.

 

Von der Chemie zwischen Anwalt und Mandant

Ist das der richtige Anwalt für mich?

In meiner Kanzlei führe ich mit Menschen, die mir ein Mandat erteilen möchten, ein kostenloses telefonisches Erstgespräch. Dies ist nicht zu verwechseln mit einer rechtlichen Beratung. Vielmehr geht es darum, im Vorfeld abzuklären, ob ich der richtige Anwalt für den oder die Interessenten bin.

Im Normalfall lässt sich das sehr schnell herausfinden. Gemeinsam mit dem Anrufer prüfe ich, ob sein Rechtsproblem in die von mir bearbeiteten Referate Versicherungsrecht oder Bankrecht fallen. Wenn nicht, kann ich ihm meistens einen kompetenten Kollegen oder eine Kollegin empfehlen. Außerdem werden in einem solchen Gespräch die weiteren Rahmenbedingungen wie der zeitliche Ablauf, Gesprächstermine, notwendige Unterlagen, Vergütung etc. abgeklärt.

Der letzte Eindruck bleibt!

1und1 kuendigenIch habe heute versucht, meinem alten Internetanbieter zu kündigen. Dass die Möglichkeit zur Kündigung im internen Bereich nicht ganz leicht zu finden ist, ist ja bereits allgemein bekannt. Dass man dort aber gar keine wirksame Kündigung vornehmen kann, war mir neu. Drückt man dort auf „kündigen“, erhält man eine Mitteilung, dass die Kündigung vorgemerkt sei und man doch bitte mal anrufen soll. Angeblich aus Sicherheitsgründen, wobei es mir schleierhaft ist, wie jemand nicht autorisiertes eine Kündigung im internen Bereich auslösen könnte.
 
Und was dann passiert, bestätigt den Eindruck der gesamten Kundenbeziehung bzw. die Richtigkeit der Entscheidung: Telefonauswahlmenü, dreizehn (!) Minuten Warteschleife, dann die Frage, weshalb man denn kündigen wolle. Als ob es die etwas anginge. Und als ob so ein armer Callcentermitarbeiter Lust hätte, sich meinen Frust anzuhören.
 
Im kleinen BGB-Schein glaube ich mal gelernt zu haben, dass eine Kündigung eine einseitige Willenserklärung ist, die dem anderen Teil zugehen muss. Mehr nicht. Da steht nichts von Kündigungsvormerkung, Rückrufbitte oder Begründung der Entscheidung.
 
Nur am Rande sei bemerkt, dass ich mir vor einigen Jahren bereits Gedanken über den letzten Eindruck gemacht habe, den Mandanten von meiner Anwaltskanzlei haben. In der Regel ist die Übersendung der Kostenrechnung das letzte Schriftstück, das sie von mir bekommen. Auch nicht gerade schön. Wir haben deshalb eine nette Karte als Beileger entwickelt, die dem Mandanten hoffentlich ein Lächeln entlockt und ihn im Idealfall dazu bringt, die Kanzlei aktiv weiter zu empfehlen.

Warum ich YELP nicht ernstnehmen kann

Bereits an anderer Stelle ( Wem gehören die Internetbewertungen eines Unternehmens) hatte ich im Zusammenhang mit der Umstellung von Qype auf Yelp darüber berichtet, dass das Bewertungsportal Yelp Bewertungen mit Hilfe eines Algorithmus ausblendet. Dieses Phänomen wurde zunächst auf Anfangsschwierigkeiten der Übernahme zurückgeführt.

Inzwischen scheint es aber zum Standard zu gehören: Menschen, die sich erstmals bei Yelp anmelden, um eine Bewertung für ein Unternehmen abzugeben, schaffen es nicht, dass diese Bewertung als richtig anerkannt wird. Sie verschwindet nach einem Tag in die Rubrik „Beiträge, die momentan nicht empfohlen werden„.

Wo die Reise hingeht – Zur Zukunft der Anwaltschaft

Ich hatte hier ja schon mehrfach auf Richard Susskind hingewiesen, der sich mit der Zukunft der Anwaltschaft befasst. Wer bisher zu faul zum Lesen war, sollte sich diesen aktuellen „talk“ – im Sinne einer launigen Vorlesung – der Harvard Law School gönnen.  Zusammen mit seinem Sohn hat Susskind den Focus mittlerweile etwas erweitert auf „The future of the professions“. Großes Kino, viel Input und alles für umme!

Es gibt keine Sammelklage in Deutschland

Im Zusammenhang mit dem aktuellen Abgas-Skandal von Volkswagen ist immer wieder in den Medien zu lesen, dass sich Aktionäre zu einer Sammelklage formieren. Das ist Unsinn! Zu den Besonderheiten des Falls VW, die ich übrigens unter www.vw-musterprozess.de bereits dargestellt habe, komme ich gleich. Zunächst aber ein paar Fakten vom Erklärbär:

Echt, so einen gibt es auch hier in Hofheim?

Anwaltswerbung ist ja so eine Sache. Wir können kaum Bedürfnisse schaffen, denn die Mandanten haben entweder einen Bedarf oder nicht. „Bankrechtswochen – jetzt alle Fälle 10% billiger“ würde uns also kein einziges neues Mandat bescheren.

Wichtiger ist es, im Kopf der Menschen platziert zu sein. Dann, wenn einmal Bedarf besteht, müssen die potentiellen Mandanten wissen, dass es mich gibt und dass ich der richtige Spezialist für die Lösung ihres Problems bin. Im Marketingsprech wird das als „awereness“ bezeichnet; es geht um den Bekanntheitsgrad und die Erinnerung an eine Werbung bzw. Marke als Maß für die Werbewirkung. Um das zu schaffen, muss man auch einmal ausßergewöhnmliche Wege gehen.

Keine Zwangsmediation ohne anwaltliche Rechtsberatung

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat kürzlich entschieden:

„Die von einer Rechtsschutzversicherung in Allgemeinen Geschäftsbedigngungen verwendete Klausel, wonach die Übernahme der Kosten für eine anwaltliche Beratung von der vorherigen Druchführung eines Mediationsversuchs abhängig ist, stellt eine unangemessene Benachteiligung des Versicherungsnehmers dar.“ (OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 09.04.2015, Aktenzeichen: 6 U 110/14, hier im Volltext veröffentlicht)

Hintergrund war der Rechtsstreit gegen einen Versicherer, der einen sogenannten „M-Aktiv-Tarif“ anbietet. Dieser Tarif sieht vor, dass in einem versicherten Konflikt nicht die außergerichtliche Tätigkeit eines Rechtsanwalts, sondern nur die Konfliktlösung im Wege der Mediation versichert ist. Scheitert diese, gewährt der Versicherer Deckung für ein gerichtliches Verfahren (Anwalts- und Gerichtskosten).

Schadentracking in der Rechtsschutzversicherung – Transparenz oder Augenwischerei?

ARAG Tower Düsseldorf (Quelle: ARAG)
ARAG Tower Düsseldorf (Quelle: ARAG)

Stellen Sie sich vor, Sie wüssten künftig, in welchem Bearbeitungsstadium sich Ihr Schadensfall beim Rechtsschutzversicherer befindet. Die ARAG Rechtsschutzversicherung hat gestern eine Meldung veröffentlicht, wonach sie ein sogenanntes Schadentracking als Transparenzoffensive einführt. Damit hat sie ein Bedürfnis ihrer Kunden (und deren Rechtsanwälte) erkannt, aber leider noch nicht zufriedenstellend gelöst.

Fünf Gründe, weshalb die Bausparkasse Ihren Bausparvertrag nicht kündigen darf

…und was Sie jetzt tun sollten, wenn sie trotzdem gekündigt hat

Gut verzinstes Geld fürs Häusle?
Gut verzinstes Geld fürs Häusle?

Haben Sie in den letzten Wochen unangenehme Post von Ihrer Bausparkasse bekommen? Ein Kündigungsschreiben, mit dem Ihr gut verzinster Bausparvertrag innerhalb von sechs Monaten beendet werden soll? Dann empfehle ich,  dass Sie keinesfalls den Kopf in den Sand stecken, sondern jetzt besonnen und zügig auf die Kündigung reagieren. Dazu mehr am Ende des Beitrags.