Weshalb Sie nicht nicht darauf warten sollten, dass das Fremdbesitzverbot für Anwaltskanzleien fällt

In Deutschland besteht ein Fremdbesitzverbot an Anwaltskanzleien. Vereinfacht ausgedrückt, können nur Rechtsanwälte Rechtsanwaltskanzleien besitzen. Und zwar nur solche Rechtsanwälte, die auch in der Kanzlei tätig sind, die sie besitzen. Den Anwälten ist es also nicht möglich, fremde Kapitalgeber am Betrieb ihrer Kanzlei zu beteiligen. Hintergrund ist die Wahrung der anwaltlichen Unabhängigkeit. Weitere Grundlagen und Hintergründe zu diesem Fremdbesitzverbot kann man hier und hier nachlesen.

Wird das Fremdbesitzverbot für Anwaltskanzleien abgeschafft?

Seit mehreren Jahren ist eine Diskussion darüber im Gang, ob und wann dieses Fremdbesitzverbot fallen wird. Für eine solche Erwartung spricht beispielsweise die Tatsache, dass in Wales im Jahre 2011 eine ähnliche Regelung abgeschafft wurde. Insofern mehren sich die Stimmen, dass aufgrund der europarechtlichen Gleichbehandlung das Fremdbesitzverbot früher oder später auch in Deutschland fallen müsse. Dagegen spricht eine Entscheidung des EuGH, der bereits im Jahr 2008 entschieden hatte, dass das Fremdbesitzverbot für Apotheken EU-Konform ist.

Aus der Diskussion mit Kolleginnen und Kollegen weiß ich, dass es einige gibt, die in den Startlöchern sitzen und nur darauf warten, bis es endlich soweit ist. Ein Beispiel, wie die Folge aussehen kann, ist die Kanzlei der DAS-Rechtsschutzversicherung in England. Andere haben Angst vor dem Tag, an dem das Fremdbesitzverbot fallen könnte. Unabhängig davon, ob man Befürworter oder Gegner dieser Regelung ist: Tatsache ist, dass das Fremdbesitzverbot existiert.

Tatsache ist aber auch, dass wir Rechtsanwälte uns vermehrt im Wettbewerb mit solchen Firmen befinden, die zwar Rechtsdienstleistungen anbieten, selbst aber keine Rechtsanwaltskanzleien sind. Das kann man beispielsweise hier oder hier oder hier nachlesen.  Diese Firmen wiederum dürfen Fremdkapital aufnehmen.

Und jetzt? Auf den Boden liegen und heulen? Kopf in den Sand stecken? Sich die Butter vom Brot nehmen lassen?

Vielleicht ist es auch egal, ob das Fremdbesitzverbot abgeschafft wird

Ich habe hierzu einen interessanten Vortrag von Daniel Katz (Prof. an der Michigan State University) gefunden, der erklärt, weshalb Anwälte nicht wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen sollten und warten, bis das Fremdbesitzverbot fällt. Ansehen lohnt, denn es gibt auch Lösungsvorschläge!

Daniel Katz – Innovation in the Legal Services Industry – The Future is Already Here, It is Just *Not* Evenly Distributed from ReInvent Law Channel on Vimeo.

Katz schlägt Anwaltskanzleien vor, selbst solche Gesellschaften zu gründen. Diese können Innovationsmotor für die eigene Kanzlei sein, mit dieser aber auch mit Dritten Umsätze machen und letztendlich auch Fremdkapital aufnehmen.

Bei der Umsetzung gibt es in Deutschland natürlich einiges in steuerrechtlicher Hinsicht zu beachten. Dass es machbar ist, zeigen aber bereits Firmen wie Janolaw (an der die ARAG mit 25,1% beteiligt ist) oder advoassist.

Ich appelliere an die Kolleginnen und Kollegen, selbst als Innovatoren am Markt aufzutreten, anstatt darauf zu warten, dass der Gesetzgeber sich für oder gegen etwas entscheidet. Denn bis er das tatsächlich tut, haben andere längst fertige Konzepte in der Schublade. Oder diese sogar schon umgesetzt.

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