Nichts los hier? Zwischenbilanz und Zukunft des Pabstblogs

Seit Frühsommer 2013 gibt es den Pabstblog. Nach noch nicht einmal einem Jahr ist es eigentlich zu früh für eine Zwischenbilanz. Und trotzdem ist das ein guter Zeitpunkt:

Denn seit fast drei Monaten ist mein Blog verwaist. Um ehrlich zu sein, kann ich überhaupt keine stichhaltige Begründung dafür liefern. Weder habe ich gezielt eine Offline-Zeit genommen, noch hatte ich eine Schreibblockade, noch haben mich meine anderweitigen beruflichen Tätigkeiten vom Schreiben abgehalten. Ich hatte auch keine wirkliche Blog-Sinnkrise (welch großes Wort), sondern eher eine gewisse Unlust, die ich mir nicht erklären kann. Aber ich habe währenddessen über meinen Blog sehr viel nachgedacht.

Warum mache ich das eigentlich? Oder: Jeder will doch Anerkennung

Das tollste an meinem Blog sind die persönlichen Kontakte, die sich durch diese Plattform ergeben haben. Ich bin sehr dankbar für viele virtuelle und reale Begegnungen und die Menschen, die ich dadurch kennen lernen darf. Darauf will ich nicht mehr verzichten.

Noch mehr gefreut habe ich mich über viele persönliche Rückmeldungen zu meinen Blogartikeln. Diese sind letztendlich auch die Motivation für das weitere Schreiben.

Erfreulich sind auch die Verlinkungen von vielen anderen Seiten. Der Pabstblog wurde sehr schnell von vielen anderen Blogs und sogar von „Leitmedien“ wie dem Stern positiv aufgenommen

Auch die von google analytics gelieferten Zugriffszahlen sind sehr erfreulich. Selbst in den letzten Monaten habe ich noch mehrere hundert Zugriffe pro Woche.

Das erste halbe Jahr des Pabstblogs hat mir sehr viel Spaß gemacht und sehr viel Zuspruch eingebracht. Höhepunkt war sicherlich die Nominierung für die Wahl zu den juristischen Blogs des Jahres 2014 (auch wenn das Ergebnis für mich eher vernichtend gewesen ist).

Die Anerkennung meiner Leserinnen und Leser ist letztendlich das, was mich antreibt. Und dafür werde ich auch in Zukunft arbeiten!

Lohnt sich das denn wirtschaftlich gesehen überhaupt?

Etwas differenzierter ist die Antwort auf die Frage, ob sich das Schreiben auch auf die Mandatszahlen der Kanzlei niederschlägt. Dies war zu keinem Zeitpunkt der Treiber dieses Blogs. Aber natürlich wäre es ein angenehmer Nebeneffekt. Denn jede Minute, die ich für den Pabstblog aufwende, geht von meiner Freizeit ab; somit würde sich also diese „Arbeitszeit“ auszahlen.

Der Artikel zum Thema Schweigepflicht im Versicherungsrecht stößt bis heute auf sehr großen Anklang. Dies zeigt sich sowohl an den Zugriffszahlen, als auch bei den Telefonanrufen, die mich zu diesem Artikel erreichen. Das freut mich, weil ich hier mit meinem Fachwissen im Versicherungsrecht offenbar gute Hilfestellung leisten kann. Nicht jede Anfrage dazu mündet in einem Mandat. Aus den Fragestellungen ergibt sich allerdings bereits regelmäßig der Hinweis auf eine drohende Konfliktsituation mit einem Versicherer. So kommt es oft vor, dass einige Wochen nach der ersten Kontaktaufnahme ein Mandat in einer versicherungsrechtlichen Angelegenheit erteilt wird.

Nach wie vor überrascht bin ich von der überwältigenden Anzahl an Reaktionen, die mein Artikel zur Umstellung von Qype auf Yelp hervorgerufen hat. Offenbar hatte ich als einer der ersten auf juristisches Neuland hingewiesen, was später von den „klassischen Medien“ dankbar aufgegriffen wurde. Hierdurch hätte ich eine Vielzahl von Mandaten generieren können. Allerdings fällt dieses Thema überhaupt nicht in eines meiner rechtlichen Spezialgebiete, weshalb ich solche Anfragen gerne an Kollegen weitergegeben habe.

Also: Zur Akquise von Mandaten ist der Blog sicher nicht das beste und einzige Instrument. Aber es gelingt mir augenscheinlich, etwas von meiner Kompetenz zu vermitteln und damit den ein oder anderen Auftrag zu erhalten.

Kann ich (mir) das Bloggen auch in Zukunft leisten?

Etwas selbstkritisch muss ich auf die Anzahl meiner Veröffentlichungen zurückblicken. Ich hatte mir selbst vorgenommen, mindestens zwei Artikel pro Woche zu veröffentlichen (und noch mehr auf Vorrat zu schreiben). Damit hatte ich mich zugegebenermaßen am law blog des geschätzten Kollegen Udo Vetter orientiert. Gelegentlich hatte ich diese Zahl auch überschritten; es gibt ja auch sooooo viel Interessantes zu berichten. Ich muss allerdings gestehen, dass diese Frequenz mich auf Dauer leer saugt und ich dieses Tempo nicht weiter leisten kann und will.

Was bedeutet das für die nächste Zeit?

  • Der Pabstblog geht weiter! Wenn auch in etwas reduzierter Form. Ich möchte hier nicht das derzeit überstrapazierte Buzzword „Neustart“ in den Mund nehmen. Aber es wird auch kein „weiter wie bisher“ sein: Ich möchte mir einfach noch mehr als bisher die Freiheit nehmen, dann etwas zu schreiben, wenn ich Lust habe. Und nicht dann, wenn andere es von mir erwarten. Stoff gibt es genug. Auch einige unrezensierte Bücher liegen auf meinem Schreibtisch. Also seien Sie gespannt auf neue Artikel und Bilder.
  • Ich möchte mich auf „meine Themen“ konzentrieren und dennoch manchmal auch links und rechts vom Wegesrand nachsehen.
  • Ich möchte weniger Zeit ins Blogmarketing stecken und mich trotzdem über viele Besucherinnen und Besucher freuen.
  • Eine weitere Erkenntnis meiner reduzierten Online-Zeit hat sich quasi nebenher ergeben (ich habe mich ja nicht nur hier im Blog zurückgenommen, sondern auch auf Facebook, twitter, Xing und g+): Ich möchte nicht mehr jede Sau, die durchs digitale Dorf getrieben wird, wichtig nehmen. Natürlich lebt ein Blog von Spontanität, Momentaufnahmen und aktuellen Diskussionsbeiträgen. Aber die Maxime „erst denken dann schreiben“ möchte ich künftig noch mehr in Richtung „erst denken, dann schreiben, dann nochmal denken, dann umschreiben, dann drüber schlafen und dann veröffentlichen“ vertiefen. Ich betrachte einige meiner spontanen Artikel durchaus wohlwollend. Richtig gut gefallen mir aber diejenigen, an denen ich tage- manchmal sogar wochenlang gefeilt habe.

Und wenn ich einen Wunsch für den Blog frei hätte, würde ich mich über noch mehr Rückmeldungen von Leserinnen und Leser freuen, denn dieser Blog soll nicht der journalistischen Selbstbefriedigung dienen.

Ich freue mich, wenn Sie weiterhin meinen Blog lesen!

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