Sind Blogger ein Risiko für die Versicherung?

Es klingt unglaublich, was dem amerikanischen Investor und Blogger Bill Frezza passiert ist: Er rief seinen Versicherungsagenten an, um darüber zu reden, ob sein seit Jahren bestehender Versicherungsschutz noch aktuell ist. Er verfügte wohl über eine Art Hausrats- und Elementarschadensversicherung, erweitert mit einer sogenannten „Umbrella Police“ . Diese enthält auch Haftpflicht- und Rechtsschutzelemente, die am ehesten mit unserer Abwehrdeckung vergleichbar sind. So sind unter anderem die Abwehr von Verleumdung (slander) oder Ehrverletzung (libel) versichert.

Im Rahmen dieses Telefonats, bei dem man wohl einfach nett miteinander plauderte, erwähnte Frezza auch, dass er einen Blog betreibt. Der Agent ließ sich die Internetadresse nennen. Am nächsten Tag erhielt der Blogger einen Anruf seiner Versicherung. Man bat darum, dass er sich innerhalb von zehn Monaten einen anderen Versicherer suchen solle. Man wolle ihn nicht weiter versichern, weil er ein Blogger sei.

Die Schilderung des Falls können Sie hier im Blog von David Strom lesen.

Ist bloggen in Deutschland versicherbar?

Unsere Versicherungskonzepte unterscheiden sich von den amerikanischen. Für Kosten für die Abwehr von Unterlassungsklagen wäre grundsätzlich eine Rechtsschutzversicherung zuständig. Diese greift im sogenannten Strafrechtsschutz beim Vorwurf der Beleidigung, schließt aber beispielsweise Urheberrechtsstreitigkeiten von vornherein aus. Selbst der sogenannte Internetrechtsschutz einiger Gesellschaften deckt dies nicht (oder jedenfalls nur über eine Beratung) ab. Andere Risiken, wie etwa die Verletzung von Rechtsgütern Dritter, wären eventuell über eine Haftpflichtversicherung abzusichern.

Spielte dieser Fall in Deutschland, müsste man zudem klären, ob Bill Frezza privat oder beruflich bloggt. Denn hier gelten sowohl bei der Rechtsschutzversicherung als auch in der Haftpflichtversicherung unterschiedliche Spielregeln. Auch wenn das bloggen nicht sein Haupterwerb ist, würde ich die Seite auf den ersten Eindruck eher seinem beruflichen Lebensbereich zuordnen.

Wäre dieser Fall auch in Deutschland denkbar?

Grundsätzlich Ja. Auch in Deutschland gibt es Vertragsfreiheit im Bereich der Privatversicherung. Natürlich müssen für eine Kündigung Fristen eingehalten werden. Jedoch muss kein Versicherer ein Risiko decken, dass er nicht decken möchte. Normalerweise wird die Frage des Risikos zu Vertragsbeginn und über die Versicherungsbedingungen geregelt. Aber jede Versicherung hat ihre Eigenheiten. Manche Kfz-Versicherer decken keine Maserati, manche Hausratsversicherung versichert keine Wohnungen, wenn sich im gleichen Gebäude ein Gastronomiebetrieb befindet etc. Dass aber ein Versicherer explizit keine Blogger versichert, habe ich bisher noch nicht gehört.

Vielleicht wäre es an der Zeit, eine Bloggerversicherung zu erfinden? Nahe dran sind einige Versicherungsmakler, die bereits eine sogenannte Media-Haftpflicht anbieten.

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