Wie finde ich einen guten Anwalt

Diese Frage stellen sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher. Und umgekehrt fragen sich Anwältinnen und Anwälte: Wie finden mich meine künftigen Mandanten? Eine Antwort zu erhalten, ist gar nicht so einfach, denn es besteht eine Vielfalt an Informationsmöglichkeiten. Einen Anwaltstest der Stiftung Warentest gibt es allerdings noch nicht. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest, erklärt dennoch, welche Antworten die Stiftung Warentest bisher bietet. Er berichtet unter anderem über eine Leserbefragung „Der Beste Weg zum Anwalt“.

Versicherungsrechtstag
Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest als Referent uaf dem DAV Versicherungsrechtstag am 27./28.09.2013

Der Artikel gibt Teile eines Vortrags wieder, den Hermann-Josef Tenhagen am 27.09.2013 auf dem Versicherungsrechtstag in  Düsseldorf unter dem Titel „Was erwarten Verbraucher von ihrem Anwalt“ gehalten hat.

 

Was erwartet der Verbraucher von einem Anwalt?

Zugespitzt formuliert, habe der Verbraucher nur zwei Erwartungen: Erstens wolle er einen guten Rat. Und zweitens wolle er für den Fall, dass der Anwalt zu einer streitigen Auseinandersetzung rät, dass dieser den Fall auch gewinnt.

Die Erwartungen des Verbrauchers würden aber oft schon bei der Vertragsanbahnung nicht erfüllt, denn einen funktionierenden Markt für Anwälte gebe es leider nicht: Vor allem die asymmetrische Information verhindere, dass gute Verträge zwischen Kunde und Anwalt auf Augenhöhe geschlossen werden. Der Verbraucher habe „im Grunde keine Ahnung“ wie er den richtigen Anwalt finden könne bzw. was einen guten Anwalt ausmache. Und daraus können schlechte Erfahrungen für den Verbraucher resultieren. Diese bewegen sich zwischen den beiden Extremen „der Kunde geht zum „falschen“ Anwalt“ und „der Kunde geht gar nicht erst zu einem Anwalt“.

 

Ist der Fachanwalt ein guter Anwalt?

Für Qualität biete der Fachanwalt aus Sicht der Stiftung Warentest eine gute erste Orientierung. Tenhagen warnte die anwesenden Fachanwältinnen und -anwälte aber davor, hier nur in ihrer eigenen Wahrnehmung zu verharren. Man dürfe nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass jeder Verbraucher wisse, dass es Fachanwälte gibt und was sie können.

Viele Menschen vergleichen den Fachanwalt mit dem Facharzt. Dieser Vergleich hinkt an vielen Stellen. Die Vorbereitung für den Facharzt sei weit umfangreicher. Positiv sei aber aus seiner Sicht, dass ein Fachanwalt jedenfalls nachweislich bereits eine Vielzahl an Fällen in seinem Fachgebiet bearbeitet hat. Der Kunde könne also davon ausgehen, dass der Fachanwalt in einem bestimmten Bereich wahrscheinlich mehr Erfahrung habe, als andere Anwälte.

 

Hat ein guter Anwalt ein Zertifikat?

Die Stiftung Warentest hatte sich bereits im Jahr 2009 mit der Frage befasst, ob Qualitätssiegel dabei helfen können, einen guten Rechtsanwalt zu finden. Die beiden damals monierten Siegel der Dekra und eines nicht mehr existierenden Verbands sind inzwischen vom Markt verschwunden. Tenhagen kommt aber auch heute noch zu dem Ergebnis, dass kein einziges am Markt angebotenes Siegel etwas über die Qualität der anwaltlichen Beratung aussagt. Am hilfreichsten für die Auswahl sei die Zertifizierung einer Anwaltskanzlei nach DIN EN ISO 9001-2008. Auch dies sage zwar nichts darüber aus, ob der Rechtsanwalt ein guter Jurist ist. Es lasse aber zumindest auf eine gute Büroorganisation schließen. So könne der Verbraucher erkennen, dass er „seinen Laden im Griff“ habe, also die Rahmenbedingungen stimmen.

Sogenannte Fortbildungssiegel, wie sie von den Rechtsanwaltskammern und einigen Seminaranbietern vergeben werden, hielt die Stiftung Warentest schon damals ebenfalls nur für bedingt geeignet, um einen guten Anwalt zu finden. Sie sagten nichts anderes aus, als dass sich der Inhaber um Fortbildung bemüht habe. Bescheinigt wird nämlich nur die regelmäßige Teilnahme an Fortbildung, nicht aber deren Erfolg.

 

Am besten, ich frage meine Freunde, ob sie einen guten Anwalt empfehlen können, oder?

Die Stiftung Warentest hat herausgefunden, dass die Empfehlung durch Freundinnen und Freunde immer noch die häufigste Art ist, wie Kundinnen und Kunden einen Anwalt suchen und finden. Befriedigend sei das nicht, so Tenhagen. Hier wies er nochmals auf das asymetrische Informationsverhältnis hin: Weiß der Freund überhaupt, ob „sein“ Anwalt gut ist? Passt der empfohlene Anwalt auch zum Rechtsproblem des Fragenden? Trotz dieser Bedenken sei eine Empfehlung aus dem Freundeskreis immer noch die beste Methode, um mit der Anwaltssuche zu beginnen.

13% der Umfrageteilnehmer fragen bei ihrer Rechtsschutzversicherung, ob diese einen Anwalt empfehlen kann. Diese Zahl liege signifikant höher als noch vor einigen Jahren, sagt Tenhagen. Er selbst sieht auch diese Vorgehensweise ambivalent. Die Rechtsschutzversicherer hätten einerseits einen sehr umfassenden Marktüberblick. Andererseits würden die Empfehlungen möglicherweise im wirtschaftlichen Eigeninteresse ausgesprochen. Denn mit den empfohlenen Kanzleien bestünden oft Vergütungsvereinbarungen.

 

Bieten Anwaltsportale (k)eine Alternative für die Anwaltssuche?

Quelle. Stiftung WarentestDie Zeitschrift Finanztest untersuchte Anwaltsportale im Internet als weitere Möglichkeit, einen Anwalt zu finden. Diese Möglichkeit wird nur von 2% der befragten Leserinnen und Leser als sinnvoller Weg zum guten Anwalt angesehen. Auch Finanztest sieht solche Internetseiten kritisch. Für den Verbraucher sei nicht ersichtlich, nach welchen Kriterien die empfohlenen Kanzleien ausgewählt wurden. Zudem werde eben oft gar keine Auswahl getroffen, sondern der Kunde erhalte eine Liste von Anwaltskanzleien, ohne zu wissen, ob diese für seine Bedürfnisse die richtigen seien. Gleiches gelte auch für die Internetseiten der Rechtsanwaltskammern. Diese seien in ihrer Bedienung zudem oft nicht benutzerfreundlich.

 

Gibt es einen Anwaltstest von Finanztest?

Eine spannende Frage für die anwesenden Versicherungsrechtsanwälte war die Überlegung, ob es einen bundesweiten Anwaltstest geben wird. Hier gab Tenhagen vorläufige Entwarnung, auch wenn ein solcher Test von vielen anwesenden Anwälten begrüßt würde.

Die Stiftung Warentest sieht bisher noch keine Möglichkeit, bundesweit aussagekräftige Anwaltstests durchzuführen. Dies hängt vor allem mit einem, so Tenhagen, „atomistischen Markt“ zusammen. Gemeint ist, dass es keine bundesweiten Anwaltsunternehmen gibt, die in vielen Städten präsent sind. Wenn also beispielsweise Anwaltskanzleien in Frankfurt überprüft würden, nütze dies Anwaltssuchenden in Berlin, Heilbronn oder München nur bedingt.

Ein solcher Test sei aber nicht grundsätzlich unvorstellbar. Beispielsweise hat die Stiftung Warentest bereits Apotheker getestet, deren Markt genauso mikroskopisch fragmentiert ist. Hier konnte man immerhin Erkenntnisse über Systemfehler gewinnen. Es bleibt also auch in Zukunft spannend.

 

Welche Erfahrungen haben Sie auf der Suche nach einem guten Anwalt gemacht? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

3 Gedanken zu „Wie finde ich einen guten Anwalt

  1. Einen guten Anwalt zu finden ist bei der riesigen Auswahl nicht sehr einfach. Am besten man informiert sich in seinem Bekanntenkreis. Da bekommt man oft sehr gute Tipps und Empfehlungen.

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