55 Gründe Rechtsanwalt zu werden, von Georg M. Oswald (Buchbesprechung)

BuchcoverWenn mich mal wieder jemand fragt, weshalb ich Rechtsanwalt geworden bin, werde ich ihm dieses Buch empfehlen. Und er darf sich dann einen Grund aussuchen.

Warum lohnt es sich, Rechtsanwalt zu werden? Weil Rechtsanwälte anderen helfen können? Weil sie wissen, was Wahrheit ist? Weil Rechtsanwälte nie einfach ja oder nein sagen müssen? 55 solcher Argumente listet Georg M. Oswald – der selbst Rechtsanwalt ist –  in 55 kleinen Kapiteln auf und gibt dazu Erläuterungen. Dabei spielt er herrlich mit herrschenden Klischees („…weil Rechtsanwälte viele Geheimnisse erfahren“) und Vorurteilen („…weil Rechtsanwälte reich werden“). Gleichzeitig untersucht er diese Thesen auf ihren Wahrheitsgehalt. Ohne zwingend humorvoll sein zu wollen, gelingt ihm dabei ein lächelnder Blick auf die Wirklichkeit. Zugleich stellt er klar, dass es „den Anwalt“ nicht gibt, sondern gewährt Einblick in ein breites Spektrum der anwaltlichen Realität.

Oswald gibt auch durchaus kritische Einblicke in diese Wirklichkeit, wie sie selten in der öffentlichen Wahrnehmung auftauchen. Beispielsweise der Umstand, dass Anwältinnen und Anwälte Unternehmer werden, ohne dass sie darauf in ihrer Ausbildung vorbereitet wurden. An anderer Stelle fehlt dieser kritische Blick: Für meine Begriffe etwas schönfärberisch ausgefallen ist der Teil zur Altersversorgung und den anwaltlichen Versorgungswerken.

Gibt es jemand, der seine Berufswahl aufgrund eines Ratgeberbuches trifft? Vermutlich nicht. Dennoch kann das Buch von Georg M. Oswald all denen empfohlen werden, die sich mit dem Gedanken tragen Anwalt oder Anwältin zu werden. Daneben gibt es auch völlig unbefangenen Leserinnen und Lesern Einblick in die (mögliche) Motivation von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten.Inhalt

Am besten hat mir die Erklärung im Vorwort gefallen, weshalb dieses Buch angeblich geschrieben wurde: Weil sich selbst die eigene Familie nicht vorstellen kann, was der Vater da den ganzen Tag eigentlich macht. Hierzu eine Episode: Der Autor schaut mit seinem Sohn die Fernsehserie „Simpsons“  Er will seinem Sohn klarmachen, dass er zwar auch Anwalt ist, aber nicht so einer, wie die 20 Anzugträger mit denen der böse Atomkraftwerkbetreiber seine Gegner einschüchtert. Darauf der Sohn „Schon gut Papa, Mister Burns beschäftigt sicher nur die besten und teuersten Anwälte“.

Ich danke dem Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt hat.

3 Gedanken zu „55 Gründe Rechtsanwalt zu werden, von Georg M. Oswald (Buchbesprechung)

Kommentar verfassen